Babylexikon

Abhalten

Die Idee dahinter

Das erste Thema meines Blogs, beginnt natürlich mit dem Buchstaben A und in diesem Fall dreht sich alles ums ABHALTEN.

Ich weiß, dass die meisten Eltern, dieses Thema nicht mit Babys in Verbindung bringen, sondern erst an Kleinkinder denken. In unserer Region (womit ich einen Großteil der Industrieländer meine) und Generation hat es sich etabliert, dass Kinder meist noch mit drei Jahren und auch darüber hinaus Windeln tragen. Kinder die mit zwei- oder gar einem Jahr ohne Windel sind, sieht man selten. 

Ich habe noch vor der ersten Schwangerschaft vom Thema Windelfrei gehört, als Interessant empfunden und erstmal irgendwo im Gehirn abgelegt. In der ersten Schwangerschaft mit unserer Tochter, setzte ich mich mit dem Thema auseinander, in dem ich zum Beispiel die Bücher „Topffit“ oder „Es geht auch ohne Windeln“las. Außerdem guckte ich mir die Youtubevideos von Artgerecht zur Windelfreiwoche an. 

Für mich war in diesem Zusammenhang auch schon klar, dass wir gerne Stoffwindeln benutzten wollten. Diese dienten uns immer als Backup, falls für das Abhalten gerade keine Zeit war.

Worum geht es beim Abhalten? Was ist der Sinn und wie macht man es?

Unsere BumGenius Freetime Stoffwindeln als Backup

Der Grundgedanke ist, dass Babys ab Geburt in der Lage sind ihre Ausscheidungen zu kontrollieren, sie sich nicht voll machen wollen – genauso wenig wie wir es tun wollen und sie auch nicht die Eltern bzw. ihr Nest beschmutzen wollen. Ich weiß, dass dies den gängigen Meinungen widerspricht, die besagen, dass erst teilweise mit zwei Jahren eine Kontrolle der Ausscheidungen möglich ist. Ich kann aus meiner Erfahrung mit meinen drei unterschiedlichen Kindern sagen, dass dies nicht stimmt.

Babys können Signale machen, wenn sie müssen und sie können bestimmte Zeiten sowie Situationen haben, wann sie müssen. Hier hilft zu Beginn eine genaue Beobachtung. Bei uns waren es Pupse oder Drückgeräusche, die dann mit einem „Stop, ich halte dich ab“ unsererseits verbunden wurden. Daraufhin gingen ein Großteil der großen Geschäfte in den Topf oder das Waschbecken. Der Klassiker war auch das kacken beim Stillen. Daraufhin wurde mit Asia-Töpfchen am Po gestillt. Vor allem in der Wochenbettzeit mit unsrer ersten Tochter, war dies die gängigste Praxis. 

Die sicheren Pipimomente sind nach dem Aufwachen und nach dem aus der Trage nehmen. Aber auch generell das Abmachen des Backups, also beim wickeln. In all den Situation können Babys abgehalten werden und pullern meist. Man kann sie über das Waschbecken, die Badewanne, einen Topf oder ähnliches halten. Natürlich geht es auch einfach im Freien.

Wichtig ist dabei, die Geschäfte mit Geräuschen zu verknüpfen, denn somit kann auch das benutzen des Geräusches dazu führen, dass das Baby macht. In unserem Fall war es immer ein „Uuuhhhh“ für kackern und „PPssssppsss“ für pullern. 

Je mehr man abhält, desto sicherer werden beide Seiten und desto öfter klappt es. Dadurch ergibt sich neben der Kommunikation über das Schlafbedürfnis, das Kuschelbedürfnis und das Essbedürfnis eine neue Ebene zur Ausscheidungskommunikation. Bei uns war es so, dass besonders der Papa gerne abhielt, weil es etwas war, was er auch noch tun konnte, da ihm ja das Stillen verwehrt blieb. 

Unsere Kinder

Erstmal hört sich das alles relativ leicht an. Ist es an sich auch! Ich muss aber auch zugeben, dass es einen Unterschied macht, ob man beispielsweise ein, zwei oder drei Kinder hat, beziehungsweise wie die Altersabstände sind. Bei unserer ersten Tochter hatten wir immer eine sehr hohe Abhaltequote mit wenig Stoffwindelverbrauch. Anfänglich machte sie immer beim Stillen, später mit deutlichen Geräuschen. Das sah dann bei der zweiten Tochter schon anders aus. Dies lag einerseits daran, dass sie ihr großes Geschäft schlecht signalisierte und sie zum Beispiel meist nach dem Stillen machte. Dadurch musste ich aber auch nicht mit Töpfchen unterm Babypo stillen. Andererseits gab es schon die große Schwester, deren Bedürfnisse nicht immer sofort unterbrochen werden konnten, weil die kleine Schwester mal musste. 

Abhalten beim Stillen mit Stillkissen

Beim dritten Kind war dies dann nochmals anders. Beim Stillen machte er auch nicht, sondern ihm reichte es meist danach abgehalten zu werden. Beim Muttermilchstuhl kam das Geschäft auch oft so schnell, dass ein Abhalten oft nicht mehr möglich war. Pipi ging immer in den besagten Situationen und er pullerte eh fast immer beim Abhalten, hatte aber leider trotzdem selten eine trockene Windel. Ich habe die Annahme gemacht, dass Jungs möglicherweise öfters pullern als Mädchen. Erst mit der Nahrungsaufnahme wurde bei ihm das Abhalten gut, da der festere Stuhl zu einem deutlichen „Drückgeräusch“ führte und man ihn dann abhalten konnte. Ihn hielten wir anfänglich auch am liebsten überm Waschbecken ab, da war die Trefferquote höher. Erst mit mehr Körperspannung war das gehaltene Sitzen auf einem Töpfchen möglich. 

Abhalten überm Waschbecken

Beim dritten Kind, war es aber wieder eine große Verschiebung der Prioritäten. Man konnte ihn leider nicht immer abhalten, selbst wenn er super signalisierte, weil manchmal einfach gerade nicht alles stehen und liegen gelassen werden konnte, da noch seine zwei großen Schwestern da waren. 

Ich glaube insgesamt kann ich feststellen, dass Abhalten von der Aufmerksamkeit der Eltern und den Signalen der Babys abhängt. Erstes Kind mit guten Signalen war ein Selbstläufer. Zweites Kind mit schlechten Signalen hatte öfter mal was im Backup und Kind drei mit anfänglich zu kurzem Signal hatte bis dahin öfter etwas im Backup. 

Ohne Windel?

Insgesamt waren meine Töchter aber in ähnlichen Zeiträumen ohne Windel. Wir ließen sie ab 1 ½ tagsüber ohne Windel und boten dann regelmäßig das Töpfchen. Ging etwas daneben, war die Devise laut artgerecht immer „lächeln, wischen, waschen!“. Mit zwei Jahren waren sie dann tagsüber sicher ohne Windel. In diesem Zeitraum fingen wir dann bei beiden auch mit nachts windelfrei an. Die große war mit 2 ¼ nachts auch sicher ohne Windel und die jüngere Schwester mit 2 ½. Bei ihr war es einfach so, dass sie nachts mindestens einmal pullern musste und ein bisschen länger brauchte um das im Schlaf selbst zu merken. Ich setzte sie solange immer einmal in der Nacht, wenn sie unruhig wurde auf den Topf. Ab da ging es auch ohne Windel.

Wegwerfwindeln für die Nacht oder besondere Situationen

Nachts

Nachts haben wir nur unsere erste Tochter anfänglich abgehalten, da sie immer beim Stillen machte und dies auch in der Nacht. Irgendwann war das aber vorbei und sie weinte dann immer ganz fürchterlich, wenn ich sie nachts zum Pipi machen abhalten oder Windeln wollte. Daraufhin hatte sie nachts eine ökologische Wegwerfwindel an. Dies haben wir später bei den Geschwistern auch so gehandhabt. Nachts war mir Ruhe und Schlaf einfach wichtiger als Pipi aufzufangen. Beim großen Geschäft wurde aber natürlich abgehalten oder die Windel gewechselt. Aber das versteht sich hoffentlich von selbst, da wohl keiner mit einem Kackapo schlafen möchte. 

Besondere Situationen und Wegwerfwindeln

Im Alltag spielt man sich schnell ein und das Abhalten klappt oft gut. Im Urlaub klappte es bei uns oft noch besser, weil man weniger Stress hatte und sich meist gleich zwei Erwachsene oder manchmal sogar noch mehr um die Kinder kümmerten. Wir nahmen allerding im Urlaub, wenn es keine Waschmaschine gab, oder wir einfach mal nicht ans Windelwaschen denken wollten auch Wegwerfwindeln. Zugebenen, kam dies beim ersten Kind gar nicht vor und bei Kind 2&3 häufiger. Dazu ist dann aber auch zu sagen, dass wir bei einer Woche Baby in Wegwerfwindeln öfters mit einem rotem Po zu kämpfen hatten, was wir von den Stoffwindeln gar nicht kannten. Zudem war irgendwie die Motivation zum Abhalten höher,wenn man dann eine saubere Stoffwindel hatte, als wenn man eine einmal vollgepiselte Wegwerfwindel entsorgen musste.

Bei langen Autofahrten zogen wir den Babys und den noch nicht ganz trockenen Kleinkindern auch lieber eine Wegwerfwindel an. Zudem stand hinten immer ein Topf, um schnell abhalten zu können. Wir probieren immer, wenn ein Kind während der Autofahrt muss, so schnell es geht anzuhalten und abzuhalten. Aber jeder weiß, dass dies nicht immer möglich ist. Handelte es sich bei dem Bedürfnis um ein großes Geschäft oder musste ein windelfreies Kind, durfte im schlimmsten Fall auch der Topf während der Fahrt benutzt werden. Natürlich geht Sicherheit vor und ist uns im Auto auch sehr wichtig, aber jemanden einkackern zu lassen, der es partout nicht möchte, geht auch nicht. Da muss dann einfach abgewogen werden, was in der Situation gerade möglich ist.

Aller Anfang ist schwer

Es heißt je kleiner das Baby ist, desto besser kann man abhalten. Mit dem sechsten Monat lassen die Signale und Akzeptanz langsam nach.

Ich habe jeweils in der ersten Lebenswoche mit dem Abhalten angefangen und bin damit bis jetzt sehr gut gefahren. Anfangen kann man damit, dass Baby nach dem Schlafen abzuhalten und beim wickeln. Ich empfehle ein Geräusch zu machen, wenn das Baby pullert oder kackert. 

Dann beobachten, wann das Baby noch macht und diese Situationen nutzen. Zum Beispiel nach dem Tragen funktioniert auch sehr gut. Nach und nach spielt sich alles ein. 

Den Topf von Potente Plus benutzen wir immer auf Reisen. Man kann ihn durch den Silikoneinsatz als ganz normalen Topf benutzen, kann ihn ohne Einsatz einfach draußen hinstellen oder ihn als Toilettenaufsatz benutzen.

Streiks und Veränderungen

Es gibt immer Situationen, da weiß man ganz genau, dass das Baby muss, es möchte aber gerade nicht, oder signalisiert nicht mehr. Bei uns halfen beim Abhalten dann immer Positions- bzw. Ortwechsel. Zum Beispiel nicht mehr überm Waschbecken, sondern auf dem Asiatöpfchen. Einen richtigen Streik hatten wir nie, also nicht, dass es mal ewig gar nicht klappte oder sich das Baby steif gemacht hatte, oder geschrien hatte. Kann aber auch vorkommen und ist nicht ungewöhnlich. 

Man muss das Abhalten nicht dogmatisch sehen und immer mit den Veränderungen gehen. Die Bedürfnisse der Babys ändern sich, ihre Signale oder die generelle Situation. Zum Beispiel sind Krankheiten, sei es beim Baby oder bei den Eltern oft Ausnahmesituationen, in denen das Abhalten eventuell schlechter klappt. 

Meine Theorie zum Schluss

Ich habe bereits nach meinem ersten Abhaltebaby die Theorie aufgestellt, dass es durch das Abhalten keine Dreimonatskoliken zu geben scheint. Dies führe ich darauf zurück, dass ich nicht glaube, dass Babys drei Monate lang Bauchschmerzen haben, sondern sich eher drei Monate lang nach und nach damit abfinden müssen alle ihre Geschäfte in die Windel machen zu müssen. Meine Babys und auch die von Freunden die Abhalten, hatten nie diese Koliken. Es war sogar eher so, dass zum Beispiel mein Sohn, der mit drei Wochen eine Verdauungsumstellung hatte, durch das Abhalten sehr gut seine Blähungen loswurde.

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2 Kommentare

  1. Was für ein schöner Beitrag, viele meiner Fragen sind zu dem Thema beantwortet 🙂 überhaupt, eine sehr schöne Idee dein Blog!!

    1. lydiwien says:

      Vielen lieben Dank Melli für dein liebes Feedback

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