Babylexikon

Langzeitstillen

In diesem Beitrag geht es für mich um das normalste, wenn man ein Baby hat. Das Stillen! Für mich war immer klar, dass ich meine Kinder stillen werden und ich hatte auch keinen Zweifel daran, dass es nicht funktionieren sollte. Ich hatte aber irgendwie immer im Hinterkopf nicht länger zu stillen, als bis das Baby Zähne hat, selbst essen kann oder reden kann. Diese Ansichten änderten sich drastisch mit meiner ersten Tochter.

Stillstart

Ich legte meine Kinder alle direkt in der ersten Stunde nach der Geburt an. Meine erste Tochter trank friedlich an der Brust als wir im Bett kuschelten. Meine zweite Tochter war schon in der Badewanne so hungrig, dass ich sie dort anlegte. Meinen Sohn legte ich auch im Liegen auf der Couch an.

Ich hatte immer sehr schnell viel Milch und musste mir um die Gewichte der Kinder oder Neugeborenengelbsucht keine Sorgen machen. Man sagt, dass bis zu 10% Gewichtsabnahme völlig im Rahmen sind. Trinken Neugeborene viel und regen dadurch die Ausscheidungen schnell an, kommt es auch seltenst zu einer Neugeborenengelbsucht. Diese bemerkt man anhand einer gelblichen Haut- und Augenfarbe, sowie an sehr schläfrigen und schlecht trinkenden Babys.

Ich habe in der Wochenbettzeit, also in den ersten sechs bis neun, oder auch zwölf Wochen immer Seide-Wolle-Stilleinlagen benutzt. Die reine Wolle saugt überschüssige Milch gut auf und sorgt für eine trockene Brustwarze. Die Seide heilt kleine Verletzungen. Zusätzlich habe ich oft nach dem Stillen Lanolin Brustwarzensalbe aufgetragen. Ich hatte nie wunde, offene oder gar blutige Brustwarzen.

Wolle-Seide-Stilleinlagen

Ich hatte bei meinen Töchtern sehr stark mit dem Milcheinschuss zu kämpfen. Meine Brüste wurden sehr voll und hart, beziehungsweise bekamen auch schnell rote schmerzende Stellen. Beide Male hatte ich einmal einen Milchstau mit leichtem Fieber. Es half mir die Brüste unter der warmen Dusche auszustreichen, das Baby so anzulegen, dass das Kinn Richtung roter, harter Stelle zeigte und nach dem Stillen die Brust zu kühlen. Zudem trug ich bügellose Stillbhs, trug die Babys noch nicht in Trage oder Tuch und vermied jeglichen Stress.

Am Anfang hatte ich auch immer den Effekt, dass die zweite Brust ordentlich auslief, während ich die andere Seite stillte. Dafür bekam ich von meiner Hebamme Muttermilch-Sammler . Diese setzte ich auf der nicht-still-Seite in den BH ein und die Milch sammelte sich in der Schale. Die Milch fror ich anschließend in Eiswürfeln ein und benutze sie als Badezusatz für die Kinder.

Muttermilch-Sammler

Später verwendete ich waschbare Bio-Stilleinlagen, wenn nicht mehr so viel Milch auslief. Ich fand sie immer ökologischer als die Wegwerfmodelle.

waschbare Stilleinlagen

Ich stillte meine Babys immer nach Bedarf. Gerade am Anfang bestand ein Tag bei uns nur aus Schlafen, Abhalten und Stillen. Am Abend kam es vor allem in der Wochenbettzeit viel vor, dass die Babys das Cluster-Feeding wünschten. Dies bedeutet, dass man mehrere Stunden stillt, weil sie nur so zufrieden sind. Man sagt, es soll einerseits den Milchbedarf für den nächsten Tag regulieren, bzw. anregen und andererseits wird so der Tag verarbeitet.

Hilfsmittel

Ein großes Hilfsmittel war beim Stillen immer mein Boppy Stillkissen. Es ist ein festes Stillkissen, dass man sich einfach um den Bauch legt. Das schöne ist, es verrutscht nicht und schläft das Baby ein, kann man es an sich gekuschelt schlafen lassen und selbst ein Buch lesen oder so. Es eignet sich gut für den Wiegegriff und die Footballhaltung.

Stillkissen

Die größte Hilfe an sich ist natürlich eine gute Hebamme und/oder Stillberaterin. Meine Hebamme hat mir in allen drei Wochenbettzeiten zur Seite gestanden und mir durch jeden Milchstau geholfen. Ich konnte sie immer anrufen und sie war anfänglich täglich bei mir.

Stillen nach Bedarf und Langzeitstillen

Hat sich das Stillen gut eingespielt, kann man immer und überall Stillen. Ich finde es unglaublich praktisch, dass ich mir um nichts Gedanken machen muss und immer die perfekte Nahrung für mein Baby dabei habe. Zudem ist es ein perfekter Tröster. Kippt die Stimmung, hilft Stillen bestimmt. Ich habe meine Kinder immer und die ganze Stillzeit nach Bedarf gestillt. Dabei meine ich natürlich hauptsächlich den Bedarf des Kindes, es kann aber auch mal mein Bedarf sein. Hatte ich zum Beispiel mal zu volle Brüste, musste das Baby auch mal trinken, obwohl es vielleicht noch nicht wirklich hungrig war.

Wie ihr im Artikel Brei(frei) lesen könnt, waren meine drei Kinder sehr unterschiedlich in der festen Nahrungsaufnahme. Von 10 Monate vollstillen zu fünf Monate vollstillen war alles dabei. Ich habe mich da immer an ihnen orientiert und auch nicht beirren lassen. Nahmen sie dann bereits andere Lebensmittel zu sich, stillte ich sie immer noch ganz normal weiter. Oft tranken sie ja zum Beispiel noch nicht viel Wasser und deshalb wollte ich die Flüssigkeitszufuhr so gewährleisten. Am großen Geschäft konnte man auch immer gut erkennen, ob die Flüssigkeitszufuhr stimmt. Gab es da Probleme mit zu festem Stuhl, dann lieber etwas öfter nach dem Essen stillen.

Ich ernährte meine Babys am Anfang immer vegan und erst mit dem richtigen Essen, änderte es sich dann zu unserer Ernährungsweise. Ich wollte einfach nicht, dass sie andere Milch als meine zu sich nahmen.

Ich habe auch nie auf Flaschenmilch oder so umgestellt. Ersteinmal wäre es mir zu teuer gewesen, ich hatte ja genug Milch und es wäre mir auch zu unpraktisch gewesen. Ab einem gewissen Alter war es auch kein Problem mehr, wenn ich mal einen Tag (ohne Nacht) weg war. Da sie alle ab circa 10 Monaten normal unser Essen aßen und auch gut Wasser tranken.

Für die meisten Leute geht Langzeitstillen so ab dem 6. Monat los. Für mich ist es eine komische Vorstellung ein so kleines Wesen nicht mehr zu stillen, vor allem wenn die Milch da ist. Bei uns fing es eher so ab dem ersten Geburtstag an, dass ab und zu mal Bemerkungen kamen, wie „du hast noch Milch“ oder „du stillst noch“. Ich habe aber nie böse Kommentare gehört und wurde jemals in der Öffentlichkeit angepöbelt.

Ich habe meine Kinder immer, bis zum Stillende von 18/19 Monaten bei den Mädels, gestillt wo gerade ihr Bedarf war. Gerne trug ich ein Top unter meiner Kleidung und so musste ich nur das T-Shirt hochschieben und konnte relativ dezent stillen. Auch schaffte ich mir einige schöne Stillkleider an.

nächtliches Stillen und Abstillen

Unseren Sohn stille ich aktuell noch und er ist knapp elf Monate alt. Bei ihm ist es aufgrund seiner guten Nahrungsaufnahme am Tag momentan so, dass ich ihn noch hauptsächlich nachts stille. Gerne stille ich aber auch als Zwischenmahlzeit vom Frühstück zum Mittag oder vom Mittag zum Abendessen. Außerdem gerne vor seinem Vormittagsschläfchen oder natürlich bei seinem Bedarf.

Unsere erste Tochter hatte ich circa mit 16 Monaten nachts abgestillt. Am Tag, am Morgen und vor dem Einschlafen stillte ich nach wie vor. Ich erhoffte mir durch das Abstillen in der Nacht ruhigere Nächte und längere Schlafphasen. Nach zwei turbulenten Nächten mit einigen Tränen, wo ich aber immer erklärte, dass die Milch nachts alle sein, nahm sie ihren Nuckel oder einen Schluck Wasser. Nach zwei Nächten war der Spuck dann komplett vergessen und sie schlief viel besser. Der Nuckel reichte ihr ab dann. Als sie 18 Monate alt war und ich zu diesem Zeitpunkt auch schon in der 16.SSW, durfte ich über ein Wochenende zu einem Blockseminar der Uni. Als ich wiederkam, hatte ich zu diesem Zeitpunkt zwei Tage nicht gestillt. Mir ging es gut und das Töchterchen verlangte nicht nach der Brust. Also beließen wir es dabei.

Unsere zweite Tochter, nahm kein Nuckel und ließ sich nachts nur durch die Brust beruhigen. Ich stillte sie bis zum 19. Monat Tag und Nacht. An einem Abend wollte sie dann plötzlich ohne Brust einschlafen und wollte auch beim nächsten Erwachen nicht die Brust. Dies nahm ich einfach als stilles Zeichen fürs Abstillen und ließ von da an die Brust weg. Wir hatten daraufhin zwei etwas unruhige Nächte, aber kaum Tränen oder irgendwas. Nur ich wusste mit meiner Milch nicht wohin. Deshalb ließ ich sie nach einer halben Woche morgens noch einmal trinken um mir den Druck zu nehmen. Sie machte das ohne Probleme mit. Nach einer Woche machten wir nochmal das Gleiche und waren danach durch mit dem Thema Stillen.

Unseren Sohn, stillte ich fünf Monate voll und dann noch weiter fünf Monate sehr viel. Nachts trinkt er immer noch nach Bedarf. Seit er 10 Monate alt ist, isst er so viel am Tag, dass ich tagsüber kaum mehr stille. Nachts trinkt er aktuell jedoch sehr viel. Vielleicht liegt es am Laufen lernen oder Zahnen. Keine Ahnung, aber mich schlaucht es gerade sehr. Zum Einschlafen stille ich sehr gerne. Er ist jedoch noch nie an der Brust eingeschlafen. Er trinkt und legt sich dann zur Seite oder auf den Bauch, meist mit Nuckel im Mund. In der Nacht möchte er gerade auch bei jedem Aufwachen erst gestillt werden und akzeptiert leider nicht den Nuckel. Mal gucken wie wir da weiter kommen.

Oft habe ich die Erfahrung gemacht, je länger und intensiver ich mich mit einem Thema beschäftige und mir Exit-Strategien überlege, desto überraschender ist es dann plötzlich wieder weg. Hat wohl auch was mit den bekannten Phasen zu tun.

Abpumpen

Zum Thema Abpumpen kann ich leider nicht viel sagen, bei meiner ersten Tochter habe ich es nie probiert. Bei meiner Zweiten habe ich es probiert, da ich, als sie 5 Monate alt war und ja voll gestillt wurde, einmal wöchentlich für 4 Stunden in die Uni ging. Es kam aber nur wenig Milch und aus einer Flasche wollte sie nicht trinken. Bei meinem Sohn kam, als ich es mal probierte fast gar keine Milch, obwohl er sie sicherlich aus einer Flasche getrunken hätte. Ich glaube es ist eine Übungssache und die Psyche spielt auch eine große Rolle. Ich selbst war kein Fan davon und deshalb kam wohl auch nichts. Milch hatte ich allerdings genug und somit konnte es daran nicht liegen.

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