Mamalexikon

Geburtsvorbereitung

Durch meine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin und meine Arbeit anschließend auf einer Wochenbettstation lernte ich bereits einiges über Geburten. Ich hatte zwei kurze Einsätze im Kreissaal und durch die Arbeit mit den frisch gebackenen Mamas erfuhr ich, wie Geburten meist abliefen. Ich sah zwar unterschiedliche Frauen, aber oft gleiche Abläufe. Zudem machte es große Unterschiede, welche Hebamme die Frauen hatten und wie voll der Kreissaal war. Ich machte die Erfahrung, dass vor allem Geburten mit Hebammenschülerinnen, die am Ende ihrer Ausbildung standen oder Geburten mit jungen Hebammen oft schöner waren und zudem der Kreissaal am besten nicht gut besucht sein sollte. 

Ich fand für mich diese Umstände aber so willkürlich und hatte das Gefühl, man könnte so keinen Einfluss auf seine Geburt haben. Zudem hatte ich eher die Grundeinstellung, dass eine Geburt doch etwas Natürliches sein, was schon so schlimm nicht sein kann. Schließlich haben wir Menschen und alle anderen Säugetiere doch jahrhundertelang unseren Nachwuchs relativ unspektakulär geboren. 

Ich wusste um den Umstand von Geburtshäusern und Beleghebammen. Wir hatten in der Ausbildung einmal ein Geburtshaus besucht. Diesen Ort empfand ich als sehr schön und konnte mir gut vorstellen, falls nichts dagegen sprechen würde, mein Kind auch an so einem schönen und positivem Ort zur Welt zu bringen. 

Durch die Arbeit auf der Wochenbettstation wusste ich bereits, dass die Hebammensituation immer schlechter wird und mir war klar, dass sollte ich mich für eine außerklinische Geburt entscheiden, dann müsste man das gleich nach der Feststellung der Schwangerschaft machen. 

Als ich mit unserem ersten Kind schwanger war, gingen wir bereits in der 7. Schwangerschaftswoche ins örtliche Geburtshaus. Wir entschieden uns für diesen Ort für die Geburt und wählten auch eine der Hebammen für unsere Begleitung in der Schwangerschaft aus. Sie machte von nun alle Vorsorgeuntersuchungen, würde bei der Geburt dabei sein und würde mich auch im Wochenbett begleiten. Nur zum Ultraschall ging ich mal zum Frauenarzt. 

Ich begann ab dem Zeitpunkt meiner Schwangerschaft unglaublich viel zu lesen. Ich denke, dass allein Wissen viel dazu beiträgt, dass man genau weiß, was man möchte und was man ablehnt. Ich konnte mir so ein gutes Bild über Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett machen. Ich las die Bücher:

  • Die Hebammensprechstunde (Ingeborg Stadelmann)
  • Hausgeburt und Gebären im Geburtshaus: Mit Erfahrungsberichten von Frauen, die Mut machen (Christine Trompka)
  • Hypnobirthing (Marie F. Mongan)
  • Geborgene Babys (Julia Dibbern)
  • Ein Baby will getragen sein (Evelin Kirkilionis)
  • Es geht auch ohne Windeln (Ingrid Bauer)
  • TopfFit (Laurie Boucke)
  • das Stillbuch (Hannah Lothrop)

Viele Bücher las ich speziell zur Geburtsvorbereitung und andere, weil ich mich mit besonderen und anderen Themen beschäftigen wollte. 

In der 20. Schwangerschaftswoche begann ich mit dem Schwangerschaftsyoga. Ich besuchte den Kurs einmal wöchentlich, bis zur 40.SSW. Die Bewegung, die Entspannung und die Kommunikation mit anderen Frauen taten mir sehr gut. Beim Schwangerschaftsyoga lernt man seinen runder werdenden Körper anders kennen und ist trotzdem noch beweglich, zudem lernt man ruhig und tief zu atmen, sowie Zeit für sich und das Baby zu haben. Ich wendete bei anstrengenden Übungen gerne die Wehenatmung (siehe weiter unten) an und merkte schnell, dass sie mich gut durch schwere Positionen trug. Deshalb wusste ich, dass sie mir auch unter der Geburt helfen würde. 

Ich habe in allen meinen Schwangerschaften Yoga gemacht und jedes Mal einen Kurs bei der gleichen Lehrerin gehabt. 

In der 25.SSW habe ich begonnen mit meinem Mann zu einem achtwöchigem Geburtsvorbereitungskurs in unserem Geburtshaus zu gehen. Ich kann dies bei dem ersten Kind absolut empfehlen! Wir lernten hier alles über Geburten, hatten immer einen Raum zum Fragen stellen und sprachen auch übers Stillen, Wickeln, Tragen usw. Ich denke, man sollte so einen Kurs unbedingt bei einer aufgeschlossenen Hebamme besuchen, die den Eltern auch alternative Dinge zeigt. Der Austausch dort mit den Anderen war auch sehr schön. Wir knüpften hier Freundschaften, die noch heute bestehen. Wir lernten hier sehr viel über die Geburtsphasen und wie uns unser Partner unterstützen kann. Dies half meinem Mann damals sehr, seine Rolle in den Geburten zu finden. Er war immer mein Fels in der Brandung, der mich umsorgte und genau wusste, was ich alles brauchte. 

Um meinen Mann bei meinen Vorstellungen zu helfen, hatte ich einen detaillierten Geburtsplan geschrieben. Hier stand, was ich in welcher Phase brauchen könnte, welche Getränke und Snacks er mir geben kann und was ich nicht wollte. Er wusste zum Beispiel genau, welchen Duft und welche Musik er anmachen sollte. Ich kann jeder Frau nur empfehlen sich solch einen Plan zu machen, ihn auszudrucken und in den Mutterpass zu legen, zur Geburtstasche zu packen und der Hebamme zu geben. Es sollte genau drinstehen, was sie möchte und was sie nicht möchte! Der Plan dient der Geburtsbegleitung als eine Art Fahrplan, an der er oder sie sich orientieren kann. 

Das Buch HypnoBirthing und die darin vorgestellten Atem- und Entspannungsübungen habe ich in den letzten Wochen der Schwangerschaft immer geübt, sobald es passte. Meist war das vorm Einschlafen oder falls ich mal nachts wach lag. Für mich war dabei die Ruheatmung, die ich unter der Geburt auch in den Wehenpausen gemacht habe, immer sehr hilfreich. Bis vier zählen beim Einatmen und bis acht zählen beim Ausatmen. Die Wehenatmung habe ich auch aus diesem Buch übernommen und wurde in meinem Geburtsvorbereitungskurs im Geburtshaus ebenfalls geübt. Hierbei atmet man ganz langsam und tief ein, zählt dabei bis zwanzig. Danach langsam wieder ausatmen und dabei ebenfalls bis zwanzig zählen. Meist musste ich dies 2-3 mal machen und dann war eine Wehe auch schon wieder rum. 

Geburtsort

Für mich war schnell klar, dass ich diesen Ort des Wohlfühlens und Entspannens nicht in einem Krankenhaus finden würde, wo mich die ganzen typischen Abläufe immer wieder aus der Ruhe bringen würden. Ich weiß, dass man ohne Interventionen ein Kind gebären kann und das jede medizinische Intervention die Frau von einer natürlichen, unkomplizierten und meist schönen Geburt weiter entfernt. 

Die Umstände in den Klinken heutzutage begünstigen jedoch leider Interventionen jeder Art. Es ist zu wenig Personal da, oft sogar zu wenig Kreissäle. Das Personal ist überlastet und die Ärzte oft unerfahren bei natürlichen Abläufen. Zudem muss beachtet werden, dass eine natürliche Geburt ohne Interventionen für ein Krankenhaus nicht rentabel ist. Jede Intervention oder gar ein Kaiserschnitt bringt am meisten Geld für die Klinik. Zudem gehen Kaiserschnitte auch sehr schnell.

Die erste Geburt im Geburtshaus war wunderschön und ich gebar unsere erste Tochter nach sechs Stunden in der Badewanne. Da wir zu diesem Zeitpunkt eine sehr kleine Wohnung ohne Wanne hatten, kam eine Hausgeburt aus rein praktischen Gründen nicht in Frage. Da wir noch im ersten Lebensjahr unserer Tochter umzogen in eine große Wohnung mit Badewanne, stand einer zukünftigen Hausgeburt nichts im Wege. Unsere zweite Tochter kam somit in der heimischen Badewanne zur Welt. Unser Sohn sollte drei Jahre später auch in der gleichen Wanne geboren werden. Dazu aber mehr bei den Geburtsberichten unter Geburt im Babylexikon. 

Listen

Dies sind ein paar der Listen, die ich damals von meiner Hebamme bekam.

Zweite und dritte Schwangerschaft

Beim zweiten und dritten Kind habe ich in der Geburtsvorbereitung soweit nichts verändert. Nur in der letzten Schwangerschaft habe ich zusätzlich die Podcasts von Kristin Graf zur friedlichen Geburt gehört. Diese empfehle ich nun jeder schwangeren Frau und empfinde es als absolute Bereicherung sie gehört zu haben. Ich konnte mich mit ihren Meditationen unglaublich gut entspannen und auf die Geburt vorbereiten.

Mein Geheimtipp:

Die Mutter sollte sich für die Zeit nach der Geburt ein alkoholfreies Bier kaltstellen. Dies gibt Kraft und regt die Milchbildung an.

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