Babylexikon

Wickeln

In meinem Background habe ich kurz angedeutet, wie ich zum Thema Stoffwindeln gekommen bin. Ich arbeitete als Krankenschwester nach meiner Ausbildung auf der Wochenbettstation in einem sehr großen Berliner Krankenhaus. Eines abends kam ein Vater aus einem Familienzimmer auf mich zu und hielt ein Spucktuch in der Hand. Er fragte mich, ob ich wissen würde, wie man daraus eine Windel falten könnte. Ich verneinte und empfahl ihm, dies einmal im Internet nachzulesen. Mein erster Gedanke war allerdings, warum ein Spucktuch falten, wenn er doch Pampers auf dem Zimmer hatte. Ich fand es spontan nicht sehr einleuchtend, warum man sich mehr Arbeit machen müsste, wenn es doch so unkompliziert gehen würde.

Da in der Schicht nicht viel zu tun war, hatte ich Zeit über seine Anfrage nachzudenken und guckte selber im Internet, wie man eine Windel aus einem Mulltuch falten könnte. Dabei entdeckte ich auch andere Stoffwindelsysteme und las mehr darüber. Von da an wusste ich, dass Stoffwindel eine tolle Alternative zu Wegwerfwindeln waren. Die finanziellen Vorteile, die Vorteile für die Umwelt und die Vorteile für das Kind überzeugten mich so sehr, dass ich beschloss, bei meinen Kindern später Stoffwindeln benutzen zu wollen.

Finanzen

Man sagt normalerweise, dass pro Kind durchschnittlich circa 4000€ an Windelkosten anfallen. 

Im Gegensatz dazu kostete mein Starterset für ein Baby circa 400€. Klar muss man die guten Stücke waschen, aber einerseits kann man sie mit der normalen Wäsche, nur eben mit besonderem Waschmittel, mitwaschen, wodurch keine zusätzliche Wäsche anfällt und andererseits wäscht man mit Kindern sowieso fast täglich. Die Großen Geschäfte fängt dabei übrigens ein Windelvlies auf und kann danach im Klo entsorgt werden. Dadurch ist in den Windeln meist nur Pipi.

Am meisten spart man finanziell natürlich, wenn man zwei oder drei Kinder hat. Denn dann benutzen alle die gleichen Windeln. Dabei ist nur darauf zu achten, dass meist irgendwann die Gummibündchen etwas nachlassen können. Diese können dann entweder erneuert werden oder die Windel wird erst benutzt, wenn das Kind etwas größer ist. 

Umwelt

Ich empfand es auch als sehr reizvoll, dass man deutlich weniger Müll produziert. Denn obwohl man natürlich Öko-Wegwerfwindeln kaufen kann, ist doch jede Wegwerfwindel Sondermüll und muss in die Restmülltonne, wo sie dann verbrannt wird. Würde eine solche Windel nicht verbrannt werden, würde sie 300 Jahre vor sich hinverrotten. 

Vorteile für das Kind

Fängt man bei den Neugeborenen an, ist der erste Vorteil ganz klar das breite Wickeln, durch Stoffwindeln ist ein Baby per se breit gewickelt, was der Hüftentwicklung zuträglich ist. Meine Babys hatten beim obligatorischen Hüftultraschall mit 6 Wochen immer eine 1a Hüfte. 

Der zweite Vorteil ist, dass die Kinder nicht ihr Körpergefühl für die Ausscheidungen verlieren, weshalb gerne gesagt wird, dass Stoffwindelkinder schneller trocken sind. Eine Stoffwindel wird feucht, wenn man reinpullert und so lernt ein Kind viel besser seinen Körper kennen, als wenn man pullert und sich alles trocken anfühlt. 

Windelsysteme

Fängt man an sich mit dem Thema Stoffwindeln zu beschäftigen, wird man mittlerweile von einem riesengroßen Markt förmlich überrannt. Als wir vor fast 7 Jahren damit anfingen, war das Angebot noch nicht ganz so groß. 

Insgesamt gibt es nach meinem alten Wissenstand drei verschiedene Systeme: die Bindewindeln, die Windeln mit Überhosen und All in One (AIO). 

Bindewindeln waren für mich ein sehr kompliziertes und veraltetes Systeme, wo man einerseits Einlagen hat, die die Ausscheidungen auffangen und anderseits darüber eine wasserabweisende Strickwindel bindet. Klang für mich kompliziert in der Verwendung und auch in der Wäsche. 

Windeln mit Überhosen gibt es in einer gigantischen Vielfalt. Von Einlagen und wasserdichten PU-Überhosen, zu gefalteten Mulltüchern in Wollüberhosen hin zu modernen Systemen ist alles dabei. Ich kaufte für unsere erste Tochter ein paar Popolinowindeln und dazu Wollüberhosen bzw. PU-Überhosen, empfand dieses System aber auch ein bisschen zu kompliziert. Viele meiner Freunde fahren mit dem System der Windelmanufaktur gut, was auch mit Überhosen und Einlagen und Windelhosen funktioniert. Dabei ist es hier aber so, dass man meiner Meinung nach mehrere Größen kaufen muss und somit die Anschaffungskosten deutlich höher sind.

Unsere Windelwahl

Wir haben uns für mitwachsende All in Ones (AIO) entschieden. Erst hatten wir zehn Stück von zwei unterschiedlichen Marken, mochten dann aber später die eine Marke lieber und hatten davon am Ende 15 Stück. Bei einer All in One sind die Einlagen, die Windel und die Überhose zusammengenäht und sie lassen sich deshalb beim Wickeln wie eine ganz normale Wegwerfwindel benutzen. Nur das nach dem Wickeln die Windel gewaschen werden kann. Wir entschieden uns für die BumGenius Freetime. Sie wächst von 3 bis 15kg mit. Das heißt unsere Kinder hatten ab Geburt bis zum Ende der Windelzeit mit 2 Jahren nur diese eine Windelsorte an. Diese Windel hat nur Druckknöpfe. Es gibt auch viele Windeln, die Klettverschlüsse haben. Ich hatte bei uns die Erfahrung gemacht, dass ich ab und zu mal vergas die Kletties an die Gegenkletts zu drücken bevor ich sie in die Wäsche gab und dann verfing sich immer alles ineinander. Dies ist dann auf Dauer weder für die Haltbarkeit der Windelkletties noch für die restliche Wäsche gut. 

Waschen

Wie oben schon kurz beschrieben, waschen wir unsere Stoffwindeln mit der ganz normalen Wäsche mit. Wir benutzen zum Waschen deshalb für alles das Waschmittel von Ullrich Natürlich und den Ullrich Natürlich Entkalker. Das Waschmittel enthält keine Enzyme, Aufheller usw. und kann deshalb sehr gut für Windel verwendet werden. Der Entkalker hilft dabei, dass die Windeln schön weich bleiben und pflegt zeitgleich die Waschmaschine. Dies ist im Raum Berlin/Brandenburg bei uns sehr wichtig, da unser Wasser extrem kalkhaltig ist. Wir waschen die Windeln meist bei 40 Grad, falls ich aber welche hatte, wo das große Geschäft drin gelandet ist, oder sie irgendwie mufften, kann ich sie auch bei 60 Grad waschen. Zum Waschen reicht bei uns übrigens eine Dosierkappe zur Hälfte gefüllt mit Waschmittel und zur Hälfte gefüllt mit Entkalker immer aus. Dadurch reichen die 5l locker ein Jahr!

Durch den Windelvlies, den wir immer in der Stoffie liegen haben, kann ein größeres Geschäft meist ohne Rückstände in die Toilette entsorgt werden. Außerdem hat man keine Creme-Rückstände in der Windel. Wurde das Vlies nur bepullert, kann man es einfach mitwaschen. Ich wasche sie so lange mit, bis sie auseinanderfallen!

Abhalten

Ich finde, dass sich gerade im Bezug zum Thema Windeln, das Thema Abhalten perfekt ergänzt. Saubere und trockene Stoffwindeln zu haben sind immer eine hohe Motivation, dass Kind abzuhalten, wenn es mal muss. Zum Schlafen am Tag ziehe ich unseren Babys immer eine saubere Stoffwindel an. Sind die dann erwacht, kann ich sie perfekt abhalten und die Windel ist trocken geblieben. Ab einem gewissen Alter habe ich die Kids dann auch immer ohne Windel auf einer Unterlage schlafen lassen.

Mehr Tipps dazu findet ihr unter dem Punkt ABHALTEN. 

Mobilität

Ich muss zugeben, dass sich unsere Vorgehensweisen zum Thema Windeln und unterwegs sein, bei jedem Kind verändert haben. Unsere erste Tochter hatte sehr selten Wegwerfwindeln an. Bei ihr nahmen wir sogar in den Urlaub unsere Stoffies mit und ich wusch die eine benutzte Windel am Tag einfach mit der Hand aus. Auch für kleine Ausflüge hatte sie immer Stoffwindeln an und ich saubere Stoffies und einen Wetback für die Benutzten im Rucksack. 

Bei unserer zweiten Tochter war es dann schon so, dass wir im Urlaub nur Wegwerfwindeln benutzten, was aber zum ersten roten Po in unser aller Leben führte. 

(Dafür wurde uns von einer Freundin die Palliativcreme empfohlen. Ist tatsächlich die einzige Wundschutzcreme die wir haben und bei Bedarf mal benutzen.)

Wir hatten aber einfach schon genug Wäsche und bei zwei Kindern ist der Fokus beim Abhalten einfach nicht 100%ig da. 

Bei unserem Sohn, Kind Nummer drei, verwenden wir nicht nur im Urlaub Wegwerfwindeln, sondern benutzen sie auch oft unterwegs. Dies liegt einfach daran, dann ich meist schon einen extrem vollen Rucksack durch Essen und Trinken für alle, Wechselsachen für die Kids und das Wickelzeug habe, dass ich nicht noch 4 Stoffwindeln mit mir rumschleppen möchte. Habe ich genug Platz, weil ich mit dem Auto unterwegs bin, dann benutze ich natürlich trotzdem Stoffwindeln. 

Es muss aber auch immer bedacht werden, dass die Stoffies nach meist 3 Stunden spätestens gewechselt werden müssen und man so zum Beispiel öfters wickeln muss. Dabei sollte man also einplanen, ob und wo man gut wickeln kann. Bei langen Autofahrten tragen die Babys bei uns meist eine Wegwerfwindel, weil wir sie dann weniger wickeln und abhalten können. 

Wir kauften immer Öko-Stoffwindeln. Bevorzugte Marken sind bei uns die Nature von DM, Lillydoo, Moltex Öko, Naty und die Rossmann Sanft&Pur. 

Nachts

In der Nacht tragen unsere Kinder immer eine Wegwerfwindel. Ich mochte den Geruch von einer ganz vollen Stoffwindel am Morgen einfach nicht. Meist war die Haut dann auch leicht rötlich. Ich hatte zwar mit verschiedenen Einlagen usw. rumprobiert, war aber mit keinem Ergebnis zufrieden. Es gibt da bestimmt noch eine schöne Lösung. Auslaufen in der Nacht war mit extra Bambuseinlage kein Problem. 

Reinigung des Babys

Zu Hause machen wir die Kids beim Wickeln meist mit einem Lappen getränkt mit warmen Wasser sauber. In diesem Zusammenhang empfinde ich einen Wickelplatz im Bad als sehr praktisch. Wir haben auch auch gerne den Babypo einfach direkt unterm Wasserhahn abgespült. Nur bei großen Maleuren nehme ich zu Hause ein Feuchttuch. Hier fällt unsere Wahl immer auf die 99%-Wasser Tücher von DM, Rossmann, Lillydoo oder WaterWipes. Unterwegs benutze ich dann immer diese Feuchtücher.

Fazit

Wir sind absolute Stoffwindelfans, nehmen aber auch gerne bei Bedarf eine Wegwerfwindel, dann aber immer die ökologische Variante. Wir haben die Erfahrung gemacht, eine Menge Geld zu sparen, nicht mehr Wäsche zu haben und schnell trockene Kinder zu haben. 

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