Kleinkindlexikon

Abstillen

Für mich gehört das Abstillen erst ins Kleinkindlexikon. Ich habe alle Kinder bis ins zweite Lebensjahr gestillt. Unsere erste Tochter stillte ich 18 Monate, unsere Zweite 19 Monate und unseren Sohn stille ich aktuell seit knapp 17 Monaten.

Stillen ist gerade ab dem Zeitpunkt, wenn die Kinder bereits gut essen und trinken so viel mehr als Nahrungsaufnahme. Sie fühlen sich geborgen, können runterfahren und kuscheln. Außerdem spendet die Milch Trost bei Verletzungen und Unsicherheiten, lässt den Tag revuepassieren, kann beim Weiterschlafen helfen und bietet zu jeder Zeit einen wundervollen Rückzugsort. 

Wenn Kleinkinder krank sind, empfand ich es immer als besonders hilfreich, wenn ich noch stillte. Magen-Darm-Infekte oder Fieber konnten so immer sehr gut aufgefangen werden. Ich war sogar immer ein bisschen wehmütig, wenn ein abgestilltes Kleinkind krank war, denn dann war die Versorgung mit Flüssigkeit immer etwas aufwändiger und ich machte mir deutlich mehr Gedanken um die ausreichende Nährstoffaufnahme. 

In diesem Zusammenhang sei noch gesagt, dass man in den ersten drei Monaten nach dem Abstillen innerhalb von 1-2 Tagen regelmäßigen Anlegen wieder schnell Milch produziert. Ich schätze dies ist ein Schmankel der Natur, falls ein kleines Kind krank wird und man es durch Muttermilch wieder gut versorgt Wissen möchte.

Nun aber zum Abstillen…

Erstes Kind

Unsere erste Tochter stillte ich mit 16 Monaten zunächst nachts ab. Sie nahm immer zum Schlafen einen Nuckel. Sie wachte zu diesem Zeitpunkt aber seit geraumer Zeit fast stündlich auf, wollte kurz an die Brust, nahm dann ihren Nuckeln wieder und schlief weiter. Irgendwann war ich dadurch so gerädert, dass ich beschloss sie zumindest nachts nicht mehr zu stillen. Ich nahm ihre Lieblingswasserflasche mit ans Bett und ließ sie nochmals vor dem Einschlafen wie immer an der Brust trinken. Als sie dann zum ersten Mal wach wurde, erklärte ich ihr, dass sie gerne aus der Flasche trinken könne und ihren Nuckel wiederhaben könne. Die Milch wäre nachts nun aber alle. Naja sagen wir es mal so, die erste Nacht war sehr schlaflos und laut. Sie saß viel neben mir im Bett und beschwerte sich. Irgendwann war aber auch sie müde und erschöpft und schlief. Ich setzte mir 5 Uhr morgens als Grenze für das erste Stillen, in der Hoffnung, dass sie danach nochmal einschlafen würde. In der zweiten Nacht war es zwar wieder ein bisschen turbulent, aber sie schlief schon viel schneller ein und die Nacht war weniger schlaflos als die davor. Ich behielt weiterhin das abendliche und morgentliche Stillen bei. Ab der dritten Nacht nahm sie nachts ohne große Probleme, vielleicht mal ein kurzes meckern, den Nuckel statt die Brust. Nach einer Woche hatte sie gar kein Problem mehr damit nachts nicht gestillt zu werden und schlief auch fast durch. Meist wurde sie nur 1 bis 2 Mal wach. Die war für mich natürlich ein großer Fortschritt zum 12maligen Wachwerden vorher. 

Unsere ganze nachts Abstillen Geschichte vollzog sich im Familienbett und ich habe es auch komplett alleine gemacht. Ich hatte nicht das Gefühl, dass sie meine Brüste irritierten oder sie die Milch roch und deshalb nicht einschlafen konnte. Ich sah es so, dass das kurze Stillen nachts für sie eine Brücke zum Weiterschlafen zwischen den Schlafphasen gebildet hatte und ich wollte diese Brücke nun ersetzten. In diesen Nächten war mein Mann auch zufällig eh nicht da, ansonsten hätte er aber vielleicht woanders geschlafen. 

Für mich war klar, dass es die Stillbeziehung zwischen mir und meiner Tochter ist und möchte ich darin eine Veränderung haben, dann bin auch ich dafür verantwortlich. Ich hätte sie nie zum Papa gegeben, mich ausquartiert und gesagt, mach du das mal. Das finde ich auch für deren Beziehung nicht förderlich.

Zum Zeitpunkt des nächtlichen Abstillens war ich bereits mit unserer zweiten Tochter schwanger. Ich merkte zunehmend beim täglichen Stillen, dass meine Brustwarzen sensibler wurden und ich es nicht mehr als sehr angenehm empfand. Irgendwann stillte ich nur noch morgens nach dem Aufstehen, weil sie es abends von sich aus nicht mehr wollte.

Also sie 18 ½ Monate alt war hatte ich ein Wochenendseminar mit Übernachtung in Potsdam und war da im dritten Monat schwanger. Wir entschieden, die erste Nacht abzuwarten, wie es bei meinem Mann und unserer Tochter laufen würde und ob ich eventuell die nächste Nacht zu Hause schlafen würde. Ich erhielt allerdings morgens einen zufriedenen Anruf und Beiden ging es sehr gut ohne mich. Nach zwei Tagen holten sie mich dann vom Bahnhof ab und das Wochenende hatte allen gut gefallen. 

Da ich zu diesem Zeitpunkt zwei Tage nicht gestillt hatte, aber auch keine Probleme damit hatte und unsere Tochter nicht danach fragte, hatte ich somit abgestillt. Meinen Brüsten merkte ich überhaupt nichts an, da sie zu diesem Zeitpunkt schon sehr wenig Milch für das morgentliche Stillen produziert hatten. 

Zweites Kind

Die Stillbeziehung mit meiner zweiten Tochter war ganz anders als meine erste Stillbeziehung. Unsere zweite Tochter hatte 10 Monate überhaupt kein Interesse an Nahrungsmitteln und so stillte ich sie bis dahin voll. Danach nahm ihr Interesse langsam zu, sie aß aber nicht zu allen Mahlzeiten viel. Deshalb stillte ich sie mehrmals täglich und dies auch weit nach ihrem ersten Geburtstag. Zudem liebten wir das Stillen zu allen kuscheligen Gelegenheiten. Auch zur Beruhigung und zum Schlafen stillte ich immer, denn sie nahm keinen Nuckel. Sie schlief immer nur an meiner Brust ein und jedes nächtliche Erwachen wurde durchs Stillen wieder in den Schlaf begleitet. Einzig das weiße Rauschen half ihr einigermaßen auch mal ohne Brust in den Schlaf zu finden. So zum Beispiel im Auto oder auch oft nachts im Bett. Da sie viel an der Brust war und nur so Ruhe fand, dachte ich immer, ich würde sie bestimmt noch mit drei Jahren Stillen. Damit hätte ich auch kein Problem gehabt, wären die Nächte nicht so anstrengend gewesen. Ich wusste aber nicht, wie ich sie adäquat nachts beruhigen konnte ohne Brust und so stillte ich einfach weiter.

Mit knapp 20 Monaten wollte sie eines abends ohne Brust einschlafen und wollte auch in der Nacht nicht trinken. Ich hatte keine Ahnung wieso, nahm es aber direkt an. Ich stillte sie den ganzen Tag danach nicht und ging abends mit ihr in unser Gästebett, da ich vorhatte jetzt ohne Stillen zu schlafen, aber vermutete, dass die Nacht etwas unruhig für das Familienbett werden könnte. Sie brauchte zwar etwas länger zum Einschlafen auch zum Wiedereinschlafen beim nächtlichen Erwachen, war aber an sich relativ ruhig und die Nächte waren innerhalb einer Woche vom Durchschlafen gekennzeichnet. 

Ich hatte allerdings nach zwei Tagen sehr voll Brüste und wusste nicht wohin mit meiner Milch. Ich bot ihr dann einmal morgens das Stillen an und sie trank beide Brüste leer. Nach weiteren drei oder vier Tagen, ließ ich sie nochmals an die Brust, da ich wieder relativ viel Milch hatte. Sie störte sich überhaupt nicht daran mir bei meinem Abstillprozess zu helfen. Parallel trank ich viel Pfefferminz- und Salbeitee um die Milchproduktion zu verringern. Nach einer Woche waren wir dann beide abgestillt und glücklich.

Drittes Kind

Zur kompletten Abstillgeschichte mit unserem Sohn kann ich aktuell noch keine Aussage treffen. Er ist jetzt knapp 17 Monate alt und wir stillen tagsüber nach Bedarf.

Ich habe ihn mit knapp 16 Monaten nachts abgestillt, da ich seinen stündlichen Stillgenuss nicht mehr aushielt. Er schlief zu diesem Zeitpunkt bereits seit fast drei Monaten sehr schlecht und wurde nachts unglaublich viel wach. Er konnte immer nur nach einer kleinen Milchmahlzeit, mit anschließendem Nuckel in den Mund schieben, weiterschlafen. Dies schaffte mich irgendwann so sehr, dass ich nachts nicht mehr stillen wollte. Tagsüber trank er zu diesem Zeitpunkt gar nicht mehr. Deshalb hatte ich auch Sorge, ihn dadurch nun komplett abzustillen. 

Um die unruhigen Nächte zu überbrücken schlief ich zwar abends mit ihm im Familienbett ein, da er abends auch noch was trinken konnte, war das für ihn keine Veränderung. Ich brachte dort immer alle Kinder gleichzeitig kurz nach 19 Uhr ins Bett. Wenn er wach wurde probierte ich ihm nur noch den Nuckel zu geben, was oft auf meinem Arm funktionierte. Hatte ich das Gefühl, er war eingeschlafen, legte ich ihn wieder ab. Wurde er aber laut und weinte, dann ging ich mit ihm ins Gästebett. Dort waren die ersten zwei Nächte etwas lauter und unruhiger, weil er ab einem bestimmten Zeitpunkt ohne Brust nicht schlafen wollte. Ab der dritten Nacht wurde es aber schon viel besser. Er hatte längere Schlafphasen und es gab meist nur einmal in der Nacht oft so gegen 1-2 Uhr morgens einen kleinen Disput, dass jetzt die Brust doch besser wäre. Nach zwei Wochen konnte ich dann wieder im Familienbett mit ihm schlafen und er hatte sich komplett daran gewöhnt ohne Brust zu schlafen. Ab 5 Uhr morgens stillte ich ihn dann wieder einmal und meist schlief er danach nochmals weiter bis um 7 Uhr. Wir hatten also schnell ruhigere Nächte mit langen Schlafphasen von über 6 Stunden. Zusätzlich hatte er angefangen tagsüber wieder Milch zu trinken. Er zeigt nun immer auf die Couch und sagt „Mama mehr Mimi“ oder zeigt dort auf ein Kissen, was ich ihm immer unter den Kopf lege beim Stillen. Dies finde ich unglaublich süß und freut mich, dass wir weiterhin viel Stillen, nur ebend nicht mehr nachts. So kann ich mir unsere Stillbeziehung auch noch lange vorstellen. 

Neulich war er krank und hatte 3-Tage-Fieber. Da habe ich ihn in seinen Fiebernächten natürlich nachts wieder gestillt. Als die drei Nächte aber vorbei waren, hat er ohne Probleme wieder ganz normal fast durchgeschlafen und die Brust nachts nicht eingefordert. Das war genau der Augenblick, wofür ich das Stillen auch so sehr liebe, denn ich musste mir keine Sorgen um seine Flüssigkeitszufuhr beim Fieber machen. 

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